Tag 34 | 12.Juli.2019 | Freitag

Wenn man an den Kosovo denkt, was fällt euch zuerst ein? Krieg. Gefahr. Chaos?

In Mae‘s Deutschkurs war eine Kosovarin, eine Frau die das Gegenteil des oben Genannten verkörperte. Freundlich, nett und Zielorientiert. Mae wollte Pristina, die Hauptstadt des Kosovo, unbedingt erkunden. 

Kay wollte aber nur zügig durch das kleine Land, direkt nach Nordmazedonien fahren. Vielleicht gibt es, besonders in Europa, noch Vorbehalte aus Unwissenheit über dieses kleine Land auf dem Balkan. 

Zwei Möglichkeiten:

Mae: Übernachten & am nächsten Tag die Stadt erkunden 

Kay: An einem Stück von Montenegro nach  Skopje fahren. 

Natürlich macht Mae‘s Vorschlag das Rennen. Speziell als sie auch noch ein bezahlbares Zimmer etwas außerhalb des Stadtzentrums findet. 

Auf dem Weg nach Kosovo

Gefahrene Kilometer: 290 Km.

Stunden Unterwegs: 7 Std.


Wir sind heute früh aufgewacht, da wir noch unsere jetzt getrockneten Sachen sammeln mussten, die wir in der Werkstatt des Hostelbesitzers aufhängen. Beim Frühstück gab uns unser Gastgeber hausgemachten Käse, um unser Brot und Butter hinzuzufügen. Warmer Kaffee an einem kalten Morgen war immer beruhigend. Jetzt ist unsere „Schwarze Däne“ bereit für die Fahrt des Tages. Aber vorher zeigte ein Sohn unseres Gastgebers Interesse an dem Fahrrad und so ließ Kay ihn darauf sitzen und sich fotografieren.

Wir folgten der Route entlang des Flusses Tara und führten uns zur Tara-Brücke Đurđevića. Es ist eines der Muss-Orte im Norden Montenegros. Es wurde zwischen 1937 und 1940 gebaut und war zum Zeitpunkt der Fertigstellung die größte Fahrzeugbetonbogenbrücke in Europa. Es war auch in wenigen Filmen zu sehen gewesen. In der heutigen Zeit sind Bungee-Jumping und Ziplining nur einige der Aktivitäten, die Sie in der Region unternehmen können. Wir fuhren über die Brücke und konnten nicht anhalten, da es viele Touristen gab. Nach einiger Zeit sahen wir einige Frauen auf der anderen Straßenseite, die frische Beeren aus dem Wald verkauften. Dies war ein perfekter Stopp.

Wir waren wieder auf der Straße und jetzt hatten wir wirklich das Gefühl, wir müssten uns selbst ernähren. Wir sind in Berane, der letzten Stadt Montenegros vor der Grenze zum Kosovo. Wir fanden ein kleines Restaurant neben dem Kreisverkehr und bestellten eine nicht so appetitliche Mahlzeit. Danach recherchierte Mae nach unserer Unterkunft, während Kay Informationen über die Grenzübernahme mit dem eigenen Fahrzeug in den Kosovo las.

Auf geht’s. Wir sind im Kosovo.

Mae (mit deutscher Aufenthaltserlaubnis) und Kay (deutscher Staatsbürger) hatten freien Eintritt in dieses Land. Wir müssen nur eine zusätzliche Versicherung abschließen, da das Kosovo nichts mehr mit Serbien zu tun hat, das Mitglied der Green-Card-Länder ist. Wie du vielleicht nicht weisst, hat das Kosovo 2008 mit Unterstützung des amerikanischen Präsidenten Bill Clinton seine Unabhängigkeit von Serbien erklärt. Serbien hat sich immer noch geweigert, die Staatlichkeit des Kosovo anzuerkennen, hat jedoch keine formelle Kontrolle darüber.

Es war bereits abends dunkel, als wir in den Kosovo kamen. Wir waren noch Stunden von unserer Unterkunft entfernt. Es war wahrscheinlich eine gute Sache, da die Straßen vielleicht stockdunkel sind, aber der Verkehr geringer war. Als wir die Stadt Pristina betraten, erkannte keiner unserer Navis die kleinen Straßen, so dass wir lange brauchten, um das Hotel zu finden, da wir einige Male verloren waren.

Müde & Hungrig

Als wir spät am Abend ankommen sind nur der Nachportier und Wachmann vor Ort. Beide sind des englischen nicht mächtig, so regelt Kay den Check-In tel. mit einem Ihrer Kollegen. 

Das klappte: Wir bekamen die Zimmerschlüssel und die GS einen sicheren Unterstand direkt am Gebäude. 

Mae war nicht mehr aus dem Zimmer zu bekommen, so kaputt war sie nach diesem Tag. Kay mußte etwas eßbares auftreiben, aber woher um kurz vor Mitternacht?

Nach kurzer Zeit jedoch kommt Kay schon zurück, in den Händen ein Tablett voller frischer Früchte und Tomaten. Es war ein Geschenk! Zwei türkische Brüder, Gastarbeiter Deutschland, hatten zu viel eingekauft. Die Tochter von einem der beiden heiratet in Kürze, da wollen sie hier günstig für die Feier einkaufen. Nach einem kurzen Gespräch in bestem Deutsch drängen sie unserem Fahrer die Südfrüchte förmlich auf. Vielen Dank. Eine Geste dieser Art sollte es auf dieser Reise noch öfters geben. 

Eure, H1