Tag 79 | Vom einfachen Zelt in ein warmes Zimmer

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26.August, Montag

Heute pinselt die Riser App unsere Tagesroute. Die Option `Curvy` veranschlagt in etwa 4 Stunden, `Supercurvy` addiert nochmals eine. Die zweite Option schaffen wir nicht, also wird es heute ´nur` kurvig. Schlecht war das allemal nicht, wir fuhren auf unendlichen Kurven durch malerische Berglandschaften. Kaum jemand begegnete uns hier, das scheint keine Touristen-Gegend zu sein.

In einer der vielen Kurven waren wir zu weit neben der Ideallinie. Fehler durch Lenkeinschlag kompensiert, das brachte uns aber an den Straßenrand. Weil da natürlich keiner fährt sammeln sich dort die Kieselsteine. Trotz frühem und starkem Bremsen war der Rutsch in den Straßengraben nicht zu vermeiden. BMWs phänomenales ABS und die gut haftenden HEIDENAU K60 Scout Reifen haben aber schlimmeres verhindert. Während dieses Manövers gefror uns allen das Blut in den Adern, leider haben wir just zu der Zeit nicht gefilmt. Zum Glück war sonst niemand hier, und die Restgeschwindigkeit, mit der wir die Straße verließen war kaum der Rede wert.

Schnell den Motor abstellen, und schon konnte Kay, dessen linker Stiefel nur leicht zwischen Rahmen und Untergrund eingeklemmt war, aufstehen. Sofort dreht er sich zu Mae um. Ihr Fuß lag noch unter dem schweren Motorrad, sie selbst rücklings auf der Straße, die Arme links und rechts auf dem Asphalt, keine Regung, kein Ton schallt aus dem Intercom oder dem offenen Visier. Oh mein Gott! In höchster Sorge schießen Kay allerlei Gedanken an Horrorszenarien solcher Motorradunfälle durch den Kopf. Unmittelbar beugt er sich zu ihr: “Babe, Babe, wie geht´s dir…?” 

Sie antwortet gelassen in aller ihr innewohnenden Seelenruhe. “Es ist so schön hier entspannt zu liegen und den strahlend blauen Himmel zu genießen, so relaxend.” Kay´s Erleichterung könnt ihr euch sicher vorstellen als er sieht das es ihr bestens geht. Was für ein Bild. Der Fuß nicht eingeklemmt ist, und die größte Not erst mal mit einem Kaffee und Keksen zu lindern ist. Also aufgestanden, so schön es auch sein mag, sich nach einer Kurve auf der Fahrspur zu entspannen, jeden Moment kann ein Auto um die ecke schießen, so wie wir gerade eben. Die folgenden Tage klagt Mae über Handgelenk Schmerzen, aber das stammt vom folgenden aufrichten des schweren Gefährts.

Wie zu erwarten war am Motorrad, den Koffern oder Gepäck nichts beschädigt oder abgerissen. Beide richteten das übergewichtige bayerische Eisenschwein wieder auf und Kay kann die GS einfach aus dem Graben fahren. Weiter geht´s.

Die folgenden Kilometer überraschen uns mit sogar noch schöneren Kurven. So langsam wird es aber dunkel, wir entscheiden uns zur Übernachtung nahe des Dorfes Distrato. Was hat Google Maps zu bieten? Unweit finden wir eine urige Unterkunft mit ansprechenden Bewertungen. In der Gegend Smolikas ist im Sommer einiges los. Die vielfältige Landschaft lockt viele Besucher zum wandern und canyoning in die nahen Dörfer. Doch die Saison ist zu ende. Im besagten Gasthaus gab es letzte Nacht eine große Party. Als wir am späten Nachmittag eintreffen beginnt für die Angestellten gerade erst der Tag. Sie packen ihre persönlichen Sachen um für ein paar Wochen in den wohlverdienten Urlaub nach der Saison zu fahren. Getränke bekommen wir zügig und freundlich serviert, aber ein Zimmer können sie uns leider nicht mehr anbieten. Aber hey – wir können unser Zelt im Hof aufschlagen, natürlich kostenlos. Duschen und WC können wir gerne benutzen, eine kleine Spende dafür ist obligatorisch. Das paßt doch für uns. Wir lernen ein griechisches Pärchen kennen, die wie wir auf Reisen durch Ihr Land sind. Sie raten uns ab in den Bergen wild zu Zelten, die wilden Tiere könnten uns gefährlich werden. Wie ist es nahe der Küsten, an den schönen Stränden, fragt Kay. Auch das könnten sie nicht empfehlen. Wenn es nicht wirklich sehr abgelegen sei, haben die Einheimischen was dagegen. Entgangene Einnahmen der Campingplätze und Hotels, und der Müll der oft achtlos zurückgelassen wird veranlaßt die Polizei zu verstärkten Kontrollen. Gerade in der Hauptsaison und an beliebten, besonders schönen Plätzen. Da können dann 150 € fällig werden. Schade, zu unserem Trost soll es in der Türkei aber völlig unproblematisch sein. Da freuen wir uns schon drauf, und Kay muß Mae versprechen, daß wir es im nächsten Land wagen. Ginge es nach ihr, würden wir immer nur wild zelten.

Während wir erst mal weiter entspannt an unseren Gläser nippen kommt der Betreiber des Gasthauses wieder bei uns vorbei. Er ist recht neugierig, wieso wir ausgerechnet in sein Dorf kommen. Als wir von unserer Reise erzählen ist er schwer beeindruckt und bietet uns ein ‘upgrade’ an. Wir können in einem einfachen Zweibettzimmer nächtigen, wenn uns das reine Bett reiche und wir unsere Schlafsäcke benutzen. Handtücher, Bettwäsche und ein Frühstück könne er ja nicht mehr anbieten, deshalb sei es auch gratis. 

Da sind wir dabei, auf jeden Fall besser als im Zelt und wir müssen nichts auf- und abbauen. Motorradfahrer unterstützen sich eben, er selbst fährt eine schöne Moto Guzzi :).

Wir schlafen wie die Könige,

H1

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