Tag 108 | Grenzübergang Griechenland – Türkei

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24.September, Dienstag

Heute fahren wir nun endgültig raus aus der Europäischen Union – erstes Visa nötig

Kurze Fahrt aber ein langer Tag. An der Grenze zur Türkei wird das Gepäck jedes Einreisenden vor uns kontrolliert, egal ob Einheimischer oder Ausländer. Viele haben Obst als ‘Geschenke’ für die Beamten dabei, wir natürlich nicht. Na klasse, das sind schöne Aussichten. Zum Glück sind wir wenigstens unter Dach bei dem Regen. Mae zaudert etwas da sie kein Rückflugticket vorweisen kann, wie es für ihr Visa vorgeschrieben ist. Die Beamten scheinen aber sehr freundlich, lachen und scherzen nicht nur untereinander, sondern auch mit den Reisenden. Kurzum: Es ist der bisher freundlichste Grenzübertritt überhaupt. Keine Kontrolle, nichts auspacken. Kay antwortet wahrheitsgemäß er habe 20 Zigaretten und 50 ml Schnaps dabei. 🤪 Als wir die Frage nach unserem heutigen Zielort mit ‚Istanbul‘ beantworten, wünscht uns der Grenzer eine gute Fahrt & einen angenehmen Aufenthalt in seinem Lande. Das wars? 

Ja…aufgestiegen und los geht es. Bei der Ausfahrt aus den Grenzanlagen ruft uns ein begeisterter Bauarbeiter euphorisch winkend zu: „Deutschland Deutschland!“ Puh, das war einfach. Willkommen in der Türkei!

Rückblende:

Es ist regnerisch als wir heute früh in Alexandroupolis gestartet sind. Den Tag über wurde es leider nicht besser und so fahren wir heute im Regen, ausnahmsweise. Nicht wissend was auf uns zukommt, verschenkt Kay die mitgeführte kleine Axt an der letzten Tankstelle in Griechenland. Die Einfuhr in die Türkei ist verboten. Bisher brauchten wir das Ding auch nie (von einigen anderen Reisenden lesen wir ähnliches). Freudig nehmen wir den Eiskaffee an, den er uns zum Dank anbietet. 

Zurück zum Tag 1 im neuen Reiseland:

Ein erster Tankstopp, hier ist der Kraftstoff viel günstiger als in Griechenland. Wir fahren bald von der Autobahn ab, Ziel ist Keşan, da es bis nach Istanbul heute zu weit wäre. Im Regen macht es einfach keinen Spaß und was würden wir schon sehen können? Nach einiger Zeit finden wir einen kleinen Dönerimbiss mit überdachtem Parkplatz (naja, der Gehweg) direkt davor. Hier gibt es nur Suppe oder Döner – wir bestellen beides, dazu Tee, und genießen die Zeit im Trockenen. Der anfangs muffige Besitzer und seine Familie werden mit der Zeit immer freundlicher. Er richtet uns einen W-Lan Hotspot ein und hilft uns ein Zimmer für die Nacht zu finden. 

Die notwendige Fake-Buchung in einem Hotel in Istanbul haben wir erst mal schnell bis 18 h kostenfrei storniert. In den vier Stunden, die wir hier sind, werden wir mehr und mehr zu Freunden, auch auf Facebook. Wir verstehen uns zwar sprachlich nicht, aber hier hilft natürlich wieder Google Translator. Alle Hotels die Mae im Web findet sind teuer. Für uns unverständlich, es ist keine große Stadt oder Touristenattraktion in der Nähe. Unser Koch des Tages telefoniert in der kleinen Stadt, und macht bald ein zentrales Hotel zum Freundschaftspreis ausfindig. Kay schaut es sich zwischen dem Kauf der türkischen Sim-Karten und dem Gang zum Geldautomaten hier an. Die dritte Kreditkarte lässt den ATM endlich Lira ausspucken, fragt bitte nicht warum die ersten beiden nicht gingen. Im Döner Laden konnten wir weder mit EC- noch Kreditkarten bezahlen, nichts hat funktioniert. Zum Glück wurden unsere € angenommen. Damit haben wir uns noch reichlich in Griechenland eingedeckt, die werden dann im Iran gegen Rial getauscht. Währenddessen regnet es unentwegt. Unser Fahrer bot den Einheimischen sicher einen lustigen Anblick: In der astronautenartigen Motorradkleidung, mit schweren Stiefeln und Sonnenhut statt Helm stapft er einige Male Kreuz und Quer durch die Innenstadt. 

Wie steht es mit den Sim-Karten in der Türkei? Der erste Verkäufer behauptet, Ausländer könnten keine registrieren. Im Shop gegenüber kommt das nicht mal zur Sprache, aber man sei gerade ausverkauft, vielleicht morgen wieder. Shop Nr.3: Bei Vodafone ist es kein Problem. Jippieh! Aber ratet mal, wer den Reisepass nicht mitgenommen hat? Also wieder raus in den Regen zu einer Ehrenrunde, was man nicht im Kopf hat… Als Kay eine halbe Stunde später, aufgewärmt durch einem Tee, zurückkommt, kann es auch gleich losgehen. Der zuständige Mitarbeiter spricht sogar Deutsch. 

Als alle Daten im System sind und digital unterschrieben ist, bricht die Netzwerkverbindung zusammen. Mehrere Versuche schlagen fehl, da kommt der angestaubte, türkische Formularblock zum Einsatz. Die Prozedur für beide Sim-Karten hat nun schon gut eine Stunde in Anspruch genommen, bald ist auch Feierabend. Angesichts der Tatsache, dass beide Karten schon freigeschaltet und funktionsfähig ausgehändigt sind wird Kay gebeten, das leere Blatt einfach zu unterschreiben. Bei allem Vertrauen in Vodafone, aber blanko Formulare, noch dazu in einer fremden Sprache unterzeichnet man nicht. Punkt. Nun wird augenrollend das nötigste ausgefüllt, der Preis (20 € für 20 GB in 30 Tagen) nochmal bestätigt, dann passt es. Verwunderte Blicke richten sich über die Verkaufstheke als die Frage nach Kopien des Vertragswerkes aufkommt. Durchschreib-Papier gab es keines, also dann bitte je eine Kopie! Alle Türken im Laden verfallen in gemeinsames Schmunzeln und stilles Gelächter ob dem kurios ausschauenden, deutschen Pedanten.

Nächste Aufgabe: Einen sicheren Platz für die GS finden. Kay klappert per pedes alle in Google Maps gelisteten ab, zu spät, alle haben schon geschlossen. Mit einem Mal leuchten helle Scheinwerfer einen Hof aus, Kamera überwacht und mit Dach, das ist es. 3 € soll es kosten, bis in einer Stunde muss das Fahrzeug hier sein – das ist zu schaffen. Schnell den Standort im Kartenprogramm gespeichert, bei all dem Zick-Zack Gelaufe verliert man schnell die Orientierung. Zum Glück regnet es nun nicht mehr. Also stehenden Fußes zurück zum Restaurant, mit Mae ab ins Hotel fahren, einchecken, abladen, dann die GS hier abstellen.

Zurückgekehrt spazieren sie sogleich zu einem kleinen Restaurant um die Ecke. Die beiden sind etwas hungrig, denn inzwischen ist es 22 Uhr. Kays muss ab heute auf andere Getränke ausweichen: “Kein Bier mein Herr, wir sind ein muslimisches Land.” Des Nachts werden wir Zeuge eines heftigen Ehestreits im Hotel. Eine Etage tiefer zanken sich die beiden, ihre helle Zimmerbeleuchtung projiziert das Drama als Schattenspiel an die gegenüberliegende Hauswand. Es dauert eine Weile, beide schreien aus vollem Halse, werden sogar handgreiflich. So geht das fast eine halbe Stunde bis jemand klärend einschreitet. Erst mal ist Ruhe, die aber ist nicht von langer Dauer. Gegen Mitternacht findet der Spuk ein Ende, wir vermuten, dass die beiden vom Management in getrennten Zimmern untergebracht wurden. 

Sehr freundliche Grenzbeamte, hilfsbereite Gastwirte und das zankende Paar – die Türkei empfängt uns gleich am ersten Tag mit einer wunderbar bunten Mischung. Wir freuen uns auf die kommenden Wochen. Wir sind gespannt auf das lebhafte Istanbul! Müde sinken wir in die Betten.

Lektion des Tages: 

  • Nicht zu spät losfahren, besonders in ein neues Land
  • Frage, so erhältst du Antwort
Ciao, H1

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